Hallo allerseits,
ich werde hier mehr oder weniger regelmäßig über meine Auswanderung sowie Leben und Arbeiten als Trucker in Kanada und den USA berichten, um euch etwas daran teilhaben zu lassen. Angereichert wird das ganze mit Fotos und anderen Features.
Nun wird es doch mal Zeit, den Blog mal wieder auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen, daher mal eine Zeitrafferdarstellung der letzten Wochen nach meinem Deutschlandaufenthalt. Keine zwölf Stunden nach meiner Landung erhielt ich einen Anruf von meinem Chef, der mir sagte, das ich zwar wieder wie gewohnt am Samstag auf meine gewohnte Fischtour nach Chicago gehen werde, aber mit neuem Teampartner und Truck. In Zukunft sollte ich mit Mecki, hier auch manchmal Captain Hinkebein genannt, den Fischnachschub von "Windy City" sichern. Dies haben wir auch in den folgenden sechs Wochen erfolgreich bewerkstelligt. Nun erfolgte aber eine erneute Umstellung innerhalb unserer Firma, die mich sozusagen wieder an den Anfang meiner Kanada-Karriere zurückbrachte, nämlich auf einen International 9900 ix und das als Single Driver, wie vor 2 Jahren bei Ayr Motor Express.
Die folgenden Touren liefen nicht besonders spannend ab. Grundsätzlich ähneln sie doch sehr den Touren, die ich bei Seafood Express gemacht habe, also von PEI nach New Jersey oder Pennsylvania und dann über Toronto wieder zurück. Nur sind sie meist straffer und besser organisiert, was mir bei den gleichen Entfernungen einen Tag pro Woche mehr Freizeit bei höherem Lohn einbringt. So können die Unterschiede zwischen den Companies aussehen, auch wenn das System, nach dem sie arbeiten, ziemlich gleich ist, soweit ich es verstanden habe. Was mir dabei allerdings immer etwas gefehlt hat war der gelegentliche Ausflug in den Westen. Midland ist in diesem Sektor eigentlich nicht vertreten, da man sein Geschäft nun mal auf gewisse Lnienverkehre konzentriert und hier auch erfolgreich arbeitet.
Dennoch kommt es gelegentlich aufgrund des Marktes zu Ausnahmen und eine davon nun auf mich zu. Ein Run nach Colorado Springs, Co. Ich kann also einen weiteren Staat in meiner USA-Karte unten schraffieren, denn alle anderen auf dem Weg habe ich schon befahren. Ich sehe das aber auch mal als Anerkennung meiner bisherigen Leistungen, denn man bedenke, das ich erst seit fünf Wochen in diesem Bereich und mit meinem jetzigen Dispatcher arbeite.
Wie man sieht gibt also doch immer wieder Veränderungen, die sich allerdings mit zunehmender Routine hier nicht mehr so gravierend auswirken. Langeweile kommt aber dennoch kaum auf, daher auch die weniger häufigen Blogposts. Dieser Trip allerdings verdiemt eine detailierte Berichterstattung, die ich auch spätetstens nach meiner Rückkehr liefern werde. Also einfach wieder mal reinschauen.
sagt ein Sprichwort so altklug. Aber wer eigentlich nichts konkretes sucht, sondern nur durch das Netz surft findet auch immer wieder sehr schöne Sachen. Hier zum Beispiel hat sich einer meiner Lieblingskünstler hier, Jeff Dunham, mal mit d e m Problem bei Flugreisen in der heutigen Zeit auseinandergesetzt und das auf seine eigene Art. Da ich das ganze erst kürzlich am eigenen Leib erlebt habe möchte ich diesen Clip hier zeigen.
Keine Sorge, mir fehlt nichts, auch wenn das so mancher aufgrund meiner langen Abwesendheit vermuten möchte. Ich habe mir mal eine Kreativpause gegönnt, war auch mal wieder in Deutschland bei meiner Familie und Freunden. Und zwischen meinen Touren geniesse ich den Super-Sommer hier auf der Insel mit ausgedehnten Beachsessions mit Burger, Eis und Dosenbier. Da bleibt wenig Zeit am Rechner. Aber in nächster Zeit werden einige Berichte folgen, denn es hat sich doch einiges getan in den letzten Wochen. Also stay tuned, more news to come !!!
Eines wollte ich euch aber doch gleich mal näherbringen. Als Freund des britischen Humors verfolge ich auch das ein wenig in Internet und bin dabei auf dieses nicht ganz ernstgemeinte Portrait meines Jobs gestossen. Allerdings verwenden die Briten anstatt des Wortes "Truck" auch mal den Begriff "Lorry". Daher "Lorry Driver".
Der Text dieser Parodie besitzt, wen wundert´s, mehr intelektuellen Tiefgang als das Original von Britney Spears, dieses punktet aber eindeutig im Bereich Sexappeal.
Und da das Wort Sexappeal euch sicher neugierig macht, hier das Original.
...wenn du keinen Gast, keine Freunde hast. Dir faellt nie der Zauber ein, wenn du dich verschliesst, nur dich selber siehst".
Per Zufall stolperte ich neulich ueber diese Zeilen von Heinz Rudolf Kunze und kam doch ziemlich ins Gruebeln. Dabei fand ich heraus, das in diesen Worten doch recht viel Wahrheit steckt, besonders wenn man meine persoenliche Situation hier betrachtet, so wie ich sie in meinem letzten Posting beschrieben habe. Aber bevor ich diesen Gedanken aber weiter ausfuehre moechte ich mich zuerst ganz herzlich fuer den zahlreichen Zuspruch und Trost bedanken, der mich auf den verschiedenen Wegen erreichte. Ich werde die Emails hierzu auch noch alle beantworten, da die es einfach verdient haben. Leider laesst mir mein Job momentan kaum Zeit dazu, denn ich bin auch so schon kaum zuhause, sondern spaetenstens nach 48 Std. wieder auf Achse, wenn auch immer nur kurz.
Nun zurueck zum Thema. Nach dem ganzen Hickhack der letzten Wochen hatte ich mich doch sehr abgeschottet, was eigentlich nicht meine Art ist. Zwar geniesse ich immer noch in vollen Zuegen, das ich letztlich nach fast zwei Jahren hier in Kanada ein eigenes Heim allein bewohne. In letzter Zeit wurde dieses Haus aber mehr zu meinem Bunker, in den ich floh, kaum das ich dieInsel erreicht hatte. Wie bescheuert eigentlich. Ich habe keinen Grund, mich vor etwas oder jemand zu verstecken. Ich habe bisher meine Meinung immer in irgendeiner Form nach aussen vetreten und werde das auch weiterhin tun. Und ich werde mir mit Sicherheit nicht mein Leben von ein paar Leuten, die glauben, von eigenen Defiziten ablenken zu muessen indem sie andere schlecht reden oder schlimmeres tun,vorschreiben lassen. Waere ja noch schoener. Dazu gehoert auch, das ich mich nicht von meinen Freunden, die davon mehr betroffen sind als ich selbst, abwenden werde, wozu auch.
All das ist mir in den letzten Tagen, als ich mich mal wieder mit den einzelnen unterhalten habe, klar geworden. In einem dieser Gespraeche hat es David herrlich auf den Punkt gebracht, indem er das ganze Theater als " Lindenstrasse" bezeichnete. Dieser Bestandteil der dt.Fernsehkultur hatte seinerzeit aehnlich viel Einfluss auf mich, naemlich gar keinen. Ich habe wichtigeres zu tun, naemlich nach meiner Facon leben und das beschert mir schon gute Zeiten schlechte Zeiten genug, wobei die Treffen und Gespraeche mit meinen Kumpels hier zu den guten gehoeren.
Also werde ich mich wieder darauf konzentrieren, Kanada zu meinem Zuhause zu machen, wobei ich aber mit Bedacht vorgehe. Denn um mal die paradox klingende Formulierung eines schwaebischen Online Redakteurs zu gebrauchen, die wirtschaftliche Stagnation ist ruecklaeufig. Na was sich heute alles so Profi Journalist nennen darf. Aber wir sind hier noch lange nicht ueber den Berg, daher bin ich mit grossen Investitionen doch eher vorsichtig und baue lieber meinen Kontostand aus, der kuerzlich erfolgte Lohnsteuerjahresausgleich tat einen riesen Beitrag dazu. Denn hier bekommt man nach ca. einer Stunde Arbeit dafuer noch einen ordentlichen vierstelligen Betrag, anders als in De.
Wobei ich mir die einfachen Freuden des Lebens nicht vorenthalten muss, auch anders als in De.
Tourenmaessig werde ich wohl demnaechst mal eine kurze Zusammenfassung liefern, die Dinge sind allerdings auch nicht so aufregend in letzter Zeit, nach zwei Jahren hier ist doch recht viel Routine eingekehrt und viele Dinge habe ich auch schon frueher in diesem Blog umfangreich beleuchtet.
Natuerlich will ich euch aber nicht das Lied vorenthalten, aus dem ich oben zitiert habe.
bitte ich zu entschuldigen, aber gewisse Ereignisse und auch ihre Abfolge hatten einen langen Denkprozess zur Folge, da einige Eckpunkte des Lebens hier neu bewertet werden mussten.
Zwei der vielen Neuigkeiten moechte ich aber speziell herausgreifen. Zum einen habe auch ich einen "Stellungswechsel" innerhalb der Midland Familie vollzogen und greife nun mit Jochen zusammen in das Lenkrad eines International Prostar. Ein sehr feiner Truck, moechte ich nebenbei bemerken.
Das bringt aber einen erheblichen Zugewinn an Arbeit, daher auch meine beschraenkte Zeit die letzten Wochen. Natuerlich merken auch wir etwas die momentan stagnierende Wirtschaft aber laengst nicht so gravierend wie andere Kollegen hier und auch bei anderen Transportfirmen. Auch lobe ich mir die Flexibilitaet, die besonders unser Owner Operator an den Tag legt, wenn es darum geht, seine Autos auf der Strasse zu halten. Beispielsweise wenn ein Teampartner zum Beispiel wegen Krankheit ausfaellt wird der andere Single losgeschickt, damit Meilen rankommen, denn genau darum geht es, besonders in etwas magereren Zeiten. Auch da muessen sich die Raeder drehen.
Das bringt mich gleich zum anderen Themenkomplex, denn vor lauter Komplexen scheinen einige hier wirklich am Rad zu drehen, leider mal wieder deutsche "Kollegen". Denn nur die scheinen das Talent zu besitzen, Auseinandersetzungen vom Zaun zu brechen, wo gar keine Zaeune existieren. Da wird intrigiert und denunziert das sich die Balken biegen. Ich habe es ja Gott sei Dank nie selbst erlebt, aber ich denke diese Art Spiele haetten Erich Mielke und seiner Schergenbande ein zufriedenes Laechlen entlockt. Aber keiner der Beteiligten, die sind naemlich bekannt, stammt aus dem ehemaligen Ostteil Deutschlands, was die Sache noch perverser macht. Das hat auch Auswirkungen auf mich ganz persoenlich. Ich merke, das ich gegenueber meiner Umwelt Misstrauen und Abwehrhaltung in vorher kaum gekanntem Ausmass an den Tag lege, was sonst ueberhaupt nicht meine Art ist. Und ich ziehe mich in meinen eigenen Winkel zurueck, beobachte und mache mich schon kampfbereit, sobald jemand auf meine Haustuer zukommt. Na ja, nachdem ich ja ein grosser Affe bin, kann ich auch die beruehmten drei kleinen spielen, nichts sehen, nicht hoeren und auch nichts sagen.
Ein scheiss Leben !!! Daher bin ich neben reichlich Arbeit dabei, dieses neu zu ordnen und mir neue Moeglichkeiten zu erschliessen, auch abseits des "Gentle Island". Naeheres werde ich aus gegebenem Anlass erst veroeffentlichen, wenn die Zeit reif ist. Es ist nicht mein Weg, die Dinge anzugehen, aber ich muss ihn gehen, aus reinem Selbtschutz. So nun werde ich euch wieder alleine lassen muessen, habe gerade erfahren das ich die Insel in drei Stunden bereits wieder verlassen kann, auch wenn ich erst vor sieben Stunden zurueckgekommen bin, bin ich aber aus oben genannten Gruenden nicht boese.
... ist dazu da, ueber den Haufen geworfen zu werden, diese alte Redaktionsweisheit gilt auch fuer mich und meinen Blog. Denn eigentlich wollte ich ein bischen ueber meine neue Bleibe und ueber unsere neue und gemeinsame Autoleidenschaft namens Durango schreiben, aber neue Meldungen und Ereignisse zwingen mich, dies zu verschieben.
Der heutige Tag begann eigentlich als lazy day, dessen Hoehepunkt eigentlich nur eine kleine Zusammenkunft anlaesslich Anja's Geburtstags sein sollte. Beim Fruehstueck hoerte ich auf meinen liebesten deutschen Internetradiosender Munichs Hardest Hits die Meldung, das immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland zu Medikamenten greifen, um den Arbeitsalltag dort zu bewaeltigen und/oder ertraeglicher zu machen. Lt. einer Umfrage gestanden dort ueber 30 Prozent der Befragten die Einnahme von leichten Schmerzmitteln bis hin zu Psychopharmaka genau aus diesem Grund. Hallo ?? Inwieweit diese Umfrage nun wirklich repraesentativ ist konnte man aus der Meldung leider nicht heraushoeren, trotzdem finde ich das rein persoenlich doch recht erschreckend, weil ich auf meine Gesundheit und mein Wohlbefinden doch einen recht grossen Wert lege. Daher bin ich auch froh, nun hier in einem Umfeld zu arbeiten, wo ich spaetenstens alles sechs Monate einem von meinem Arbeitgeber bezahlten Drogentest unterzogen werde, was einen daran hindert, einfach wahllos irgendwelche Pillen einzuwerfen, sondern einen zwingt, den Beschwerden wirklich auf den Grund zu gehen. Aber Arzneien waren in Deutschland immer schon ein riesen Geschaeft. Prompt fiel mir dann auch wieder der folgende Song ein.
Aber leider kommen auch aus dem hiesigen Umfeld nicht die besten Nachrichten. Ich hatte gerade meine Gedanken bezueglich der ersten Meldung sortiert als ich von To diesen Artikel zugeschickt bekam. Er beschreibt das traurige Schicksal einer dt. Einwandererfamilie, die ich persoenlich nur einmal kurz getroffen habe. Aber er bestaetigt auf sehr drastische Weise das, was ich und einige meiner Kollegen erlebt haben. Allerdings konnten wir mit einigem Fleiss und viel Glueck das Schlimmste verhindern. Mein Dank und Hochachtung geht hier an den Betroffenen, denn es zeugt von Mut und Groesse, sich in solch einer schwierigen persoenlichen Situation an die Oeffentlichkeit zu wenden, und das nicht in seiner Muttersprache. Beachtlich finde ich aber auch die Resonanz in der hiesigen Bevoelkerung, was die Anzahl und der Inhalt der Kommentare deutlich macht. Es gibt auch bereits weiteres Engagement in dieser Angelegenheit, die mit Sicherheit noch groessere Kreise ziehen wird.
Bei Kaffee und Kuchen brachte es Geburtstagskind Anja absolut auf den Punkt: " Jeden Tag was Neues, wird nie langweilig hier !"
Dies ist als Schlusswort kaum zu toppen, also dranbleiben, es geht spannend weiter, mit welchem Thema auch immer.
Ein eigentlich bodenständiger Fernfahrer, der sich nun einen Traum erfüllt, nämlich US-Trucks durch ein Land zu steuern, das mich seit meinem achten Lebensjahr schwerstens fasziniert: Kanada